Blitzinterview CHRISTINE WATTY, Deutschlandradio Kultur

CHRISTINE WATTY ist gestandene Reporterin, Redakteurin und Moderatorin im Deutschlandradio Kultur. Ihr Job: Berge von CDs für den Sender rezensieren - das Mikrofon ab und an in der Moderationsmache - und zwischendurch den ein oder anderen Beitrag im Viervierteltakt fertigen. Im März konnte Christine Watty mit frech-fröhlichen Kommentaren in der c-tube Jury glänzen. Hier ist das Interview...

 

---

 

Hallo Christine! Wer oder was ist Breitband?

 

Christine Watty: Breitband ist eine Sendung in Deutschlandradio Kultur. Genauer: Das "Magazin für Medien und digitale Kultur" und läuft jeden Samstag von 14:05 Uhr bis 15 Uhr. Darin gibt es unter anderem auch die Rubrik "Netzmusik', in der wir Musik vorstellen, die zum freien Download im Internet zur Verfügung steht. Dazu schauen wir auf Portale wie myspace, c-tube natürlich und ähnliche, auf Musik-Blogs, die Releases von Netlabels, surfen durch die ganze Musikwelt im Internet - und picken das heraus, was wir interessant und beachtenswert finden, ohne Genre-Begrenzung. Wir verlinken auf der Seite www.breitband-online.de die jeweiligen Homepages, so dass auch unsere Hörer nach der Sendung zur Musik finden. Jede Ausgabe von Breitband, inklusive der Musik-Besprechungen, steht auf unserer Seite zum Nachhören als Podcast bereit. Musik-Vorschläge für Breitband übrigens gerne jederzeit an mich!

 


Du bist aktuell unser 'special guest' in der c-tube Jury. Auf was achtest du, wenn du deine Jurybewertung abgibst, und was macht für dich einen guten Song bzw. ein gutes Video aus?

 

Christine Watty: Das ist so vieles! Klingt das gut, was ich da höre, gefällt mir Stimme und kann die Band was? Kann ich sehen und hören, dass sich die Band hier irgendwas gedacht hat, dass hier jemand gerade brennt, für das, was er da macht? Gibt's Energie? Würde ich das im Radio spielen oder hören wollen? Tausend Fragen also. Zugleich achte ich darauf, und das ist das Schwerste und Wichtigste, immer wieder richtig zu zuhören, auch wenn es wirklich viel Musik ist, die mir so um die Ohren fliegt.

 

 

Seit Jahren beschäftigst du dich intensiv mit Musik. Wann war für dich klar, dass du deine Leidenschaft auch ins Berufsleben übertragen willst und wie ist es dazu gekommen?

 

Christine Watty: Das ist tatsächlich ein schöner Zufall. Klar war mir das nämlich gar nicht. Mir war eher klar, dass die Konkurrenz im Musikjournalismus eine harte (und überwiegend männliche) ist, also habe ich zunächst mal - und tue es immer noch - andere Bereiche erkundet: erst Jugendradio, dann Reporterin, Autorin und Moderatorin für Kulturprogramme, daneben Nachrichten. Und irgendwann war ich dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort und fing an mit CD-Rezensionen im Radio, erst in einer Sendung, dann kam eine weitere hinzu, dann auch Breitband - ja, so war das.

 

 

Das Web 2.0 bietet jedem User soviel Mitgestaltungsmöglichkeiten wie noch nie zuvor - auch bzw. gerade im musikwirtschaftlichen Sektor. In Zeiten von Myspace/Youtube/iTunes - deine Prognose für die Zukunft der Musikindustrie?

 

Christine Watty: Die schwierigste Frage von allen. Und ich kann keine einfache Prognose abgeben - beobachte das Geschehen aber äußerst gespannt, alles ist im Wandel begriffen. Die Musikindustrie ist ein alter Riesen-Tanker, der nicht rechtzeitig manövriert hat und gerade untergeht in den Netzwelten. Ich finde es wirklich schwierig zu sagen, ob noch rechtzeitig ein Modell erfunden wird, das die herkömmliche Musikindustrie auf Dauer retten kann. Klar ist ja zumindest: Die Musikfans sind es, die in Zukunft mehr als je zuvor das Zepter in der Hand halten und somit Musikmanager-Aufgaben im weitesten Sinne übernehmen und ja jetzt schon hier und da ganze CD-Produktionen finanzieren. Der "Plattenvertrag" ist es aber bisher noch, den die meisten anstreben. Ich bin wirklich gespannt.

 

 

Verliert das Medium "Radio" durch Podcasts/Streams, etc. an Relevanz, oder sind diese alternativen Vertriebswege eher Bereicherung statt Konkurrenz?

Christine Watty: Eindeutig: Bereicherung.

 

 

---

 

Die Links:

 

© Marcos López & Simeon Spengler für c-tube Media GmbH, 30. März 2009