JANZOULOU - Mit Finesse und Fonojet zum Super-Sound!

Er ist leidenschaftlicher Produzent, Tonstudiobetreiber, Arrangeur und Tonmeister, liebt Musik in allen Varianten und hat deswegen immer sein persönliches Augenmerk auf den Künstler gelegt. JANZOULOU ist auch engagiertes Mitglied in der c-tube Jury! Im Interview verriet er uns, wie er zum Produzieren kam, was seine Arbeitsphilosophie ist und wie er die aktuelle Entwicklung im Web 2.0 sieht!

 

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Hallo Janzoulou! Du bist erfolgreicher Produzent und Tonmeister. Wie kamst du dazu und wie lange machst du das schon?


Janzoulou: Nun, mein Leben verlief nicht gerade in geordneten Bahnen und so hab ich mich eigentlich relativ spät für diese Richtung entschieden. Ich bin nicht Tonmeister im klassischen Sinn. Vieles habe ich mir selber beigebracht und unter anderem habe ich an einer Privatschule studiert, an der ich auch 3 Jahre als Dozent gearbeitet habe.

 

Vorher habe ich lange Zeit vieles ausprobiert, immer wieder andere Instrumente für mich entdeckt und auch Ausflüge in ganz andere Sphären, wie zum Beispiel das Immobiliengeschäft, gemacht.Seit nun 6 Jahren betreibe ich ein eigenes Studio und verwirkliche dort eigene Vorstellungen von Produktion, Recording und Mix.

 

Den zündenden Impuls dazu gab mir eine Produktion mit Uwe Fahrenkrog-Petersen, das Comeback von Nena (Nena feat. Nena) auf welchem alle Signale durch meine Fader liefen. Dieses Album zeigte mir, während einer Partnerschaft im Berliner Onair-Studio, zum einen ganz klar, dass ich in diesem Metier irgendwie was zu sagen, mitzuteilen habe und zum anderen, dass ein eigenes Studio nötig ist, wenn ich weiter kommen will.

 

Das erste mal an einem Pult gesessen und selber die Regler geschoben, habe ich 1999. Das war an einer NEVE - Console aus den frühen 80ern. Das ist wohl auch der Grund, warum mir diese Arbeit so viel Spass macht. Alles an diesem Pult war irgendwie sexy und die Antworten auf jegliche Einstellungen waren so phänomenal, dass das Gefühl eine "Waffe" unter den Fingern zu haben, süchtig machte.

 

 


Du sagst, dass du dich "in den Künstler hineinversetzen willst, um ihn vollständig zu verstehen und seinen Anspruch nachzuvollziehen." Da drängt sich die Frage auf: Bist du selber aktiver Musiker, oder ziehst du es lieber vor, andere Vorstellungen in die Tat umzusetzen?


Janzoulou: Sowohl als auch! Ich spiele selber ein paar Instrumente, keines davon aber perfekt. In meiner Arbeit ist es unbedingt notwendig die zu produzierenden Instrumente zu verstehen und zu wissen, wie sie funktionieren und klingen, welches Spektrum sie haben, was man mit ihnen alles machen kann, wie sie gestimmt werden und wodurch man ihren Klang vielleicht verbessern oder sie in die Produktion besser einbinden kann.

 

Ich denke in erster Linie geht es als Produzent darum, den Künstler und das was er sagen will zu verstehen und ihn dabei zu unterstützen, das mit seiner Musik und/oder Texten umzusetzen. Musik ist für mich ein Kommunikationswerkzeug. Du erreichst damit Menschen auf einer emotionalen Ebene und erweckst Gefühle oder Erinnerungen. Welche Gefühle oder Bedeutungen es dann genau sind, muss man allerdings ein wenig unbestimmt lassen, so dass man vielleicht sagen kann, dass es im Grossen und Ganzen darum geht, der Fantasie des Zuhörers freien Lauf zu lassen und diesen Lauf auch zu unterstützen.

Wenn ich mit einem Künstler zusammen arbeite, muss vorher klar sein, ob das, was ich bei seiner Musik verstehe, mit dem zu vereinen ist, was er oder sie darunter versteht. Oft steht am Anfang die Frage im Raum, was die Künstler eigentlich wollen. Es gilt das dann in die Tat umzusetzen. Insofern ist es superspannend, wenn die eigenen Vorstellungen und die des Künstlers aufeinander treffen und man daraus ein Konzept entwickeln kann. Aber alles in allem ist der Künstler das Wichtigste. Insofern sind Künstler, die kein eigenes Standing, keine Unverwechselbarkeit  haben, nicht so sehr mein Ding.



In Hinsicht auf deine Liebe zur Musik: Was denkst du zur aktuellen Entwicklung hin zur Casting-Kultur?


Janzoulou:
Nun ja, Casting gibt es ja schon sehr lange. Allerdings finde ich die momentane Tendenz nicht sonderlich interessant. Seit die Medien diese Form der Umsatzsteigerung für sich entdeckt haben, wurde vieles was man so On Air wahrnimmt, vorsichtiger, glatter und  öfter Stereotyp. Produkte wurden geschaffen, nur um in ein grösseres, vorher geplantes Sende- und Marketingkonzept zu passen. Sicher ist das wirtschaftlich lukrativ, interessiert mich persönlich aber, rein musikalisch, nicht so sehr. Glücklicherweise hat das aber nicht dazu geführt, dass es keine eigenständigen Künstler mehr gibt, wie man unter anderem hier auf c-tube ja deutlich sehen und hören kann! Im Gegenteil: Es gibt da eine klare Gegenbewegung, oder? Wenn dann aus so einer Casting-Sache doch mal ein hochkarätiger Künstler herauskommt (siehe Robbie Williams), grenzt das für mich schon an ein Wunder.

Früher, in der klassischen Musik, war das zuweilen ja auch nicht anders: die Komponisten brauchten Mäzene und das am Besten aus der Politik oder vom Hofe. Wie viele Komponisten da aber heute noch im Gedächtnis der Menschen sind, die eine Förderung durch Mäzene hatten, entzieht sich meines Wissens... Ich denke aber mal, dass es da viel mehr gab, als wir uns vorstellen können. Wäre mal interessant ,einen Musik- Historiker dazu zu befragen... :-)

 

Sicher, dank der Plattform "Internet" ist es heute möglich, sich einem grossen Publikum zu präsentieren, ohne dabei auf die grossen Medien angewiesen zu sein. Internetdistribution ist sowieso ein grosses Thema und wird meiner Meinung nach immer noch vielfach unterschätzt. Aber ich vermisse in vielen Alben einfach ein dazugehöriges Konzept. Eine in sich geschlossene Geschichte oder ein Thema, welches im Album dann abgehandelt wird. Alleine, dass die Bezeichnung "Konzeptalbum" ein gängiger Begriff ist, zeigt, dass es was besonderes zu sein scheint. Schade ist, dass es so etwas selten gibt. Es sollte wieder viel selbstverständlicher sein, denke ich.

 


Alben wie "Quadrophenia" (The Who), "Lamb lies down on broadway" (Genesis) oder "Tales of mystery and imagination" (Allan Parsons Project) sind gute Vorbilder für das, was ich meine. Eine Geschichte, Texte und ein durchgängiger roter Faden erzeugen einen Zusammenhang, welcher es eigentlich unablässig macht, das ganze Album zu haben, um in den vollen Genuss jedes einzelnen Titels zu kommen. Das ist ein Konzept für die Zukunft und vielleicht eine mögliche Antwort auf Absatzschwierigkeiten auf dem CD-Markt.

 

"Quadrophenia"

THE WHO

"Lamb Lies Down..."

GENESIS

"Tales Of Mystery..."

A. P. PROJECT

 

 

Wie bist du auf c-tube aufmerksam geworden und welche Netzwerke nutzt du außerdem (und warum ;-)?


Janzoulou:
Das erste mal auf euch aufmerksam geworden bin ich durch René Rennefeld, den ich des öfteren in den Hansa Tonstudios treffe. Das Konzept finde ich toll, und es ist absolut erstaunlich, was man bei euch so zu sehen/hören bekommt. Ansonsten bin ich bei MySpace vertreten und habe darüber auch immer wieder interessante Kontakte und Neuigkeiten im Musikmarkt. MySpace ist insofern interessant,  da man dort Musiker und Künstler, als auch Produzenten und Kunstschaffende jeder Art rund um den Globus kontaktieren kann. Einmal bin ich deshalb schon nach Brasilien geflogen und habe dort eine Regisseurin und Sängerin kennen gelernt, mit der ich dann in Berlin einen Titel aufgenommen habe: "Flor das Aguas", zu hören bei www.myspace.com/janzoulou.

 

 

Was hältst du vom c-tube-Konzept?
 
Janzoulou: Find ich total interessant und gut! Bands können so eine wirklich konstruktive Kritik bekommen und damit dann auch was anfangen, wenn sie mögen. Plattformen wie MySpace oder YouTube sind da eher nicht so wirkungsvoll, da die Kommentare meist der eigenen Werbung des Schreibenden dienen und nicht der konstruktiven Kritik.

 

Wenn man dann so wie bei c-tube noch die Möglichkeit hat, darüber einen Plattenvertrag zu bekommen oder zumindest Kontakte zu Produzenten, welche einem vielleicht helfen können, ist das ja für alle Beteiligten ein Zuwachs. Auch die drei Tage Hansa Studio sind eine coole Idee! Ebenso ist so eine Plattform ja auch gut für einen Probelauf vor echtem Publikum. So wie es für Filme ja auch eine "Preview" gibt, nach der man dann noch mal in die "Edit-suite" geht und Korrekturen vornimmt, oder auch schon mal einen Film komplett überarbeitet.

 

 

Hast du Verbesserungsvorschläge für uns parat?

Janzoulou:
Hmm... Die hat man ja immer auf Lager :-) Aber was ich wirklich denke ist, dass man an der Übersichtlichkeit ein wenig arbeiten könnte. Es ist verhältnismäßig schwer, die Charts im Überblick zu sehen. Ebenso wäre vielleicht eine Suchfunktion anhand der Juroren nicht schlecht. So könnte man sehen, wo der "Lieblings"-Juror überall geschrieben hat; kleiner Vorschlag in eigener Sache :-) Aber eigentlich ist das ganze schon ziemlich cool und funktioniert doch gut, oder?

 


Sagt dir irgendeine Band auf c-tube besonders zu?


Janzoulou:
Auf jeden Fall BABY UNIVERSAL. Und ILLUTE! Sie ist ja auch hier vertreten. Mein Fvorit ist sie in jedem Fall. Ob ich nun mit ihr arbeite oder nicht... Das ist unabhängig. Wer es mir auch noch angetan hat, sind MY NEW ZOO. Ihre Videos vor allem! Soviel Witz und Selbstironie und das Ganze noch so professionell. Hut ab!

 


Wie siehst du die aktuelle Entwicklung (auf privater und auch musikalischer Ebene) hin zum Web 2.0 und digitalen Formaten?

 

Janzoulou: Web 2.0 ist schon erstaunlich flexibel und für so allerhand nutzbar. Das beinhaltet leider auch, dass die Privatsphäre der einzelnen Personen immer mehr in Bedrängnis gerät. Liest man sich mal den aktuellen Spiegel durch, wird einem zwischendurch schon ein wenig mulmig. Allerdings war es vorher in der Weltgeschichte noch nie möglich, mit nur einem Klick so viele Menschen zu erreichen. Digitale Audio-Formate allerdings sind mit Vorsicht zu geniessen.

 

Wenn ich zum Beispiel sehe und höre, dass Kids mit ihren Handys durch die Strassen laufen und ihren Lieblings-Hit über diesen Lautsprecher hören, frage ich mich, wohin das führen soll. Um eine Produktion so zu fertigen, dass sie auf dem Handy gut klingt.. Nun ja, das macht dann auch mir, der sich mit allen digitalen Medien bislang irgendwie anfreunden konnte, keinen Spass mehr. Vor allen Dingen ist das um so erstaunlicher, wenn man Kindern den ein und denselben Titel als Mpeg oder von CD vorspielt und sie sich immer für die CD entscheiden. Also geht es nicht um den Genuss, sondern um die Zweckmässigkeit. So wie bei der Neuerung CD gegen Schallplatte. Hör Dir mal Dire Straits-Alben auf Vinyl an und dann von CD. Du wirst sofort verstehen was ich meine. Aber sich gegen den Fortschritt zu wehren, ist nicht die Lösung. Bewusstsein zu schaffen und jeden selber entscheiden zu lassen, ist meine Devise. Also höre ich CD, Mpeg und Vinyl, gerade was eben so anliegt.

 

 

Welche Musik hörst du gerne privat, bzw. kommst du überhaupt noch dazu, ganz bewusst zu Hause eine CD von vorne bis hinten zu genießen? Wenn ja, welche war das?


Janzoulou:
Musik völlig ohne das "Produzentenohr" zu hören, geht leider nicht mehr. Dazu habe ich mich in den Jahren viel zu sehr trainiert, den Song zu durchschauen, vermeintliche Fehler aufzudecken oder herauszuhören, wie bestimmte Sachen von anderen verwirklicht wurden. Aber trotzdem macht es mir grossen Spass, einfach nur Musik zu hören. Das tue ich dann auch oft zu Hause oder bei mir im Studio, unter akustisch optimalen Bedingungen. Oft sind das Produktionen, an welchen ich irgendwie beteiligt war, oder bei denen mir der Produzent besonders zusagt.

 

Das letzte mal so richtig "zugehört" und komplett genossen habe ich das Album "Once" von und mit Glen Hansard, nachdem ich mir den dazugehörigen Film angeschaut hatte. Wie ich finde ein wunderbarer Film und auch Glen Hansard und seine Band sind grossartig! Einfach gute Songs mit viel Gefühl und in sich schlüssig. Unglaubliche Melodiebögen zu verzweifelt einfachen Harmonien. Und dazu eine Geschichte, die nicht besonders tiefschürfend ist, aber alles hat was eine gute Story braucht. Was ich mir demnächst holen werde ist das neue Album von Chris Zippel "Genuine Horizon Remixes", den ich als Produzenten sehr schätze. Bin schon sehr gespannt!

 

"Genuine Horizon" (Japan Edition)

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Was benötigt ein Song/Video, damit er/es dir gefällt?
Janzoulou: Eigenständigkeit und immer wieder Schlüssigkeit. Überzeugend soll es sein und polarisierend. Einfach nur "nett" reicht nicht. Das kann dann alles sein. Von Punk bis World oder sogar Schlager. Es gibt kein Genre, das mir generell nicht gefällt... Es gibt nur gute und nicht so gute Musik. Gute Musik muss zu mir sagen: "Hier bin ich und nun nimm mich oder lass mich!". Wenn sich Musik versucht durch Gefälligkeit "einzuschmeicheln" und zu konzipiert wirkt, langweilt es mich schnell.

 


Die großartigen BABY UNIVERSAL haben den letzten c-tube-Bandcontest gewonnen – und du hast sie im Hansa Tontudio aufgenommen! Wie kam es zur Zusammenarbeit und wie empfandest du die Zeit mit BBU?


Janzoulou:
Die Zusammenarbeit kam ganz einfach, weil Alex Wende, der Hansa Tonstudio-Manager, und René Rennefeld mich fragten, ob ich Zeit hätte, eine dreitägige Produktion im Hansa Studio mit BBU zu fahren. Die Zusammenarbeit mit der Band und ihrem Produzenten, Tommy Krawallo, war einfach genial! Die ganze Band war ein einziges Paket an Kraft, Musik und Ehrgeiz, das Beste aus den drei Tagen heraus zu holen, ohne dabei in Stress zu geraten. Ich denke, dass diese Band nach wie vor ein unglaubliches Potential hat und wenn sie weiterhin mit den richtigen Partnern arbeiten, werden sie schon bald im Regal weit vorne zu finden sein! Wenn man sie einmal Live erlebt hat weiss man, wovon ich spreche. Sie geben alles, wenn sie nur eins dürfen: SPIELEN! :-)

 


Du hast eine Menge Erfahrung im Musikgeschäft gesammelt. Hat sich da ein gewisses Erfolgsrezept für Bands herauskristallisiert?


Janzoulou:
Wenn es da ein "Erfolgsrezept" gäbe, dann würden ja viel mehr Erfolg haben, oder? Ich denke, dass eines wichtig ist: Tue nie etwas, wovon du nicht überzeugt bist. Fasse einen Entschluss, wohl überlegt, aber immer nur ein mal und dann gehe bis dorthin, ohne abzuschweifen. Ob du Recht hattest oder nicht kannst du erst wissen, wenn du es versucht hast. Wenn du allerdings auf Erfolgskurs bist, wird es schnell stürmisch um dich und die Produktion herum. Mein Tip ist immer wieder: Auf Kurs bleiben, nicht durcheinander bringen lassen und wenn du viele kontroverse Meinungen um dich herum hast - dann bist du auf dem guten Weg, etwas richtig zu machen. Auch wenn es dann vielleicht doch nicht das Richtige war, eins ist dir gewiss: Du hast das getan, was DU wolltest und musst die Verantwortung dann auch nur für dich tragen. Nichts ist schlimmer, als am Ende zu merken, dass du eigentlich den richtigen Riecher hattest und nur, weil du dir hast dazwischen funken lassen, alles den Bach runter gegangen ist. Sehr frustrierend.

 


Erzähl uns von deinen aktuellen Plänen und Projekten.



Janzoulou:
Momentan gibt es mehrere Eisen im Feuer. Aber das meiste ist mehr oder weniger noch geheim. Am reifesten ist das neue und erste Album von ILLUTE, einer wundervollen Songwriterin und Sängerin, welche alle Ihre Songs selber schreibt und spielt. Wir mischen gerade das von Ihr selber produzierte Album fertig ab und nehmen dafür noch ein paar Gesangsspuren auf. Ansonsten bauen wir gerade das Fonojet Studio weiter um einen Aufnahmeraum aus und installieren analoge Bandmaschinen und anderes analoges Equipment. Alles weitere findet ihr auf http://www.myspace.com/janzoulou.

 

 

 

Links:

 

        © Marcos López & Simeon Spengler für c-tube Media GmbH, 17. März 2009