MICHAEL SEILER, Walnut Films, im Interview!

Michael Seiler, Gründer und Kopf von Walnut Films ist seit geraumer Zeit ein engagierter c-tuber,  Jurymitglied inklusive! Sein kleine, feine Independent Filmproduktionsfirma aus Dresden bereicherte unseren Videopool bisher mit sieben tollen und spannenden Produktionen. Im Interview erzählt uns Michael, wie er zum Produzieren kam, und er hat Tipps für Bands parat, die ein Musikvideo drehen wollen!

 

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Hallo Michael! Wie kamst du zum Filme produzieren, und wie lange machst du das schon?

Michael Seiler: Ich habe schon in meiner Kindheit eine Vorliebe für Filme gehabt und irgendwann mit der Videokamera meines Vaters herumexperimentiert, mit Freunden Spaßvideos gedreht und entdeckt, dass ich mir das als berufliche Tätigkeit gut vorstellen könnte. Und daran arbeite ich gerade auch: dass ich das eines Tages hauptberuflich machen kann. Im Moment läuft das noch eher nebenbei.


Du kommst aus Dresden - wie sieht die dortige Musik- / Filmszene aus?

 

Michael Seiler: Leider wohne ich erst seit einem dreiviertel Jahr wieder hier, aber was ich bisher mitbekommen habe lässt erahnen, dass die Musikerszene hier ebenso vielfältig ist wie in den meisten (deutschen) Großstädten. Von Hip-Hoppern, Indie- und Folk-Songwritern, Funk-, Deutschpop- bis hin zu Metal- und Harcordebands habe ich hier schon einiges hören und kennen lernen dürfen. Einzigartig sind natürlich diejenigen Künstler, bei denen man deutlich den charmantesten Akzent der Welt heraushören kann: Sächsisch! Von der Filmszene weiß ich leider nicht soviel, bzw. gibt es hier neben einigen kleineren Videoproduktionsfirmen und zwei regionalen Fernsehsendern nicht viel. Allerdings lebe ich gerade in Dresden-Neustadt, einem sehr alternativen Künstler-Viertel, indem hin und wieder kleinere Indie-Filmfestivals stattfinden. Das ist ganz nett.



Was rätst du Bands, die auf eigene Faust ein Video drehen wollen? Gibt es gutes Filmequipment für kleines Geld oder sollten da eher die "Profis" ran?

Michael Seiler: Denkt immer daran, dass euer Video euch als Musiker und eure Musik selbst repräsentieren soll! Egal ob es "nur" ins Internet gestellt oder auch im Fernsehen gesendet wird; gebt euch Mühe! Teures Equipment muss nicht sein, Kreativität zählt! Es gibt viele angehende Filmemacher wie mich, die sich gerne im Musikvideo-Bereich profilieren möchten und über ausreichende Technik verfügen. Letztendlich habe ich so begonnen und einige Bands gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, mit mir ein Musikvideo zu drehen und daraus sind zahlreiche gute Kontakte entstanden. Gute Musikvideos müssen nicht teuer sein!



Du arbeitest mit vielen deutschen aber auch internationalen Bands zusammen. Wie kam es zu den Kollaborationen?

Michael Seiler: Da gibt es zu fast jeder Band eine andere Geschichte. Die meisten Kontakte rühren daher, dass ich auf vielen Festivals gefilmt habe und mich einfach mit den Bands im Backstage getroffen und gequatscht habe. Die meisten von denen sind wirklich lockere und angenehme Leute! Aber Ausnahmen gibt’s da auch… Ich habe außerdem vor etwa zwei Jahren angefangen, einige meiner Lieblingsmusiker zu kontaktieren und für Interviews zu gewinnen, woraus dann mein erster Dokumentarfilm "mehr als Töne" entstanden ist. Dadurch habe ich zum Beispiel OCTOBER LIGHT aus Kroatien näher kennen gelernt, was für mich als großer Fan von ihnen eine sehr coole Erfahrung war. Im Falle der amerikanischen Hardrockband SPOKEN war es ganz einfach so, dass ich von einer anderen Band (TORN INDICTMENT) eingeladen wurde, eine Woche lang mit ihnen, ANTZ OF GLORY und SPOKEN durch Deutschland zu touren. Auf dieser Tour entstand auch ein Musikvideo, welches es demnächst zu sehen gibt…


Hast du irgendeine witzige Story vom Filmset auf Lager?

Michael Seiler: Auf der oben bereits erwähnten Tour habe ich ja auch gefilmt und eine Doku darüber gemacht. Dabei musste ich insgesamt ca. fünfzig Liegestützen machen, da ich ständig irgendwelche Spielchen und Wetten verloren habe, die sich unsere amerikanischen Kollegen ausgedacht haben… ;-)

 


Wie bist du auf c-tube aufmerksam geworden?

 

Michael Seiler: Einer meiner Musikerfreunde hat mir mal den Link geschickt, ich hab mir die Seite angeguckt und erstmal gar nicht verstanden worum es hier geht und bin planlos weiter gesurft … irgendwann bin ich dann noch mal irgendwie auf die Seite gekommen und an irgendeinem Video hängen geblieben und hab dann erst verstanden, was das ganze soll ;) … kurz danach hab’ ich beschlossen hier meine bisher produzierten Musikvideos hochzuladen und werde das auch in Zukunft tun.



Was hältst du vom c-tube Konzept?

 

Michael Seiler: Ist super! Wenn man sich die Indie-Szene anguckt wird schnell klar, dass es da mehr und oft bessere Musik gibt als im Mainstream - und davon eine ganze Menge! Bei c-tube ist gut, dass man die Bands in den Videos (meistens) auch zu sehen bekommt und sich hier wirklich kreative Ideen der unterschiedlichsten Sorten nebeneinander tummeln. Ich hoffe sehr, dass durch c-tube Talente entdeckt und gefördert werden können, auf die man sonst nicht stößt und dass neue Ideen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden.

 

Was findest du gut, was könnte noch verbessert werden?

 

Michael Seiler: Die Community an sich ist wirklich ’ne super Idee und gefällt mir gut. Eine größere zulässige Dateigröße für Videos wäre wünschenswert, da das für eine bessere Qualität sorgen könnte. Außerdem wäre vielleicht ein Forum noch gut, damit man ein bisschen mehr über die Musik diskutieren kann, als durch Kommentare und Sterne möglich ist.



Gibt es auf c-tube eine Band, die dir besonders zusagt, bzw. mit der du dir eine Zusammenarbeit vorstellen kannst?

Michael Seiler: GUADALAJARA, FAILSAFE und HASSLIEBE mag ich sehr, aber beide Bands haben schon so tolle Musikvideos, dass ich da sicher nicht mehr viel besser machen kann. THE BLACK SHEEP, RUNLET und 12hoursgone gefallen mir auch, da könnte man vielleicht mal was machen … vorstellen könnte ich es mir auf jeden Fall.

 

 

Was braucht denn ein Videosong, um heutzutage die Leute zu erreichen?

 

Michael Seiler: Er sollte ins Ohr gehen und Elemente enthalten, an die man sich leicht erinnern kann. Außerdem ist mir immer wichtig, die Gefühle der Zuschauer und Zuhörer zu erreichen; das sollte man nie unterschätzen! Sei es Freude, Spaß, Trauer, Liebesschmerz oder sonst irgendeine Empfindung – Menschen reagieren meist eher auf etwas, das sie auf diese Art "mitnimmt", als auf eher belanglose Inhalte.

Welche Projekte hast du für 2009 vorgesehen?

Michael Seiler: Es stehen wieder allerhand Musikvideos an, sowie einige Kurzfilme. Desweiteren bringe ich dieses Jahr noch einen etwas sozialkritischen Dokumentarfilm heraus und gehe im Sommer wieder einmal mit einer Band auf Tour. Außerdem arbeite ich bereits an den Vorbereitungen für meinen ersten abendfüllenden Spielfilm, aber das ist noch streng geheim! :-)

 

Links:

 

  ©  Simeon Spengler & Marcos López für c-tube Media GmbH, 07. Mai 2009