René Rennefeld, C-Tube Macher - das Interview!

A&R (Artist and Repertoire) Management, die gezielte Suche nach Künstlern und ihrem Möglichkeiten, findet in der Musikindustrie schon aufgrund der immer dünner werdenden Personaldecke z. T. nur noch sehr oberflächlich statt. Zusätzlich jammern alle über zurückgehende Umsätze. Das Resultat: anstatt 30 spannende Bands zu fördern, werden bei den Majors lieber fünf Top Acts gemacht, in die sie ihr gesamtes Budget buttern. So entwickeln sich Bands und Musiker zwangsläufig immer mehr zur "One Man Show", und sie nehmen das Zepter selbst in die Hand. Dabei haben sich auch einige Produktionsfirmen und Studios ebenfalls vom reinen Dienstleister zur Talentschmiede und Artistdevelopment-Company entwickelt. Aber was tun, um den großen Wurf zu landen, einen Produzenten kennen zu lernen, professionell aufnehmen zu können?

Hier kommt C-Tube ins Spiel. Die Crew rund um das legendäre Hansa Tonstudio in Berlin bietet Bands, Interpreten, Produzenten und Songwritern eine einzigartige Möglichkeit, sich und Ihre Kreativität erfolgreichen Produzenten, A&R Managern, anderen Musikern und einem breiten Publikum zu präsentieren.

Im Interview mit der Redaktion verrät uns René Rennefeld -- Musiker, früher A&R Manager von Acts wie H-Blockx, Schiller, Hörstuatz (heute Madsen) u.v.m., sowie Produzent im Hansa Tonstudio und einer der Initiatoren von C-Tube -- was der genaue Plan ist.

 

Was genau ist C-Tube? Wofür steht der Name?

 

René: Der Name steht für creative tube – das kreative (Sprach-)Rohr. Wir sehen uns als Projektionsfläche und Kanal für Kreativität und Originalität. Vorzugsweise musikalischer Natur. Ich hol da mal ein wenig aus, denn wir sind der Meinung, dass C-Tube neue Evolutionsstufe in Sachen Demo und Bandpräsentation ist, eine Art "Demolution". Waren es früher die reinen Konzerteindrücke, die eine Plattenfirma zum "Einkauf" einer Band bewogen haben, so folgte irgendwann die Kombination aus Demo-Kassette, Foto und Info. War das überzeugend, hat man sich den Act Live angesehen. Dann ging auf einmal alles per mp3. Der persönliche Kontakt zum Künstler wurde immer seltener. Aktuell ist der Liveeindruck wieder von Relevanz. MySpace und YouTube bieten da hervorragende Möglichkeiten sich zu präsentieren. Nur, wen erreicht man da konkret? Und was passiert nach den zahlreichen digitalen Schulterklopfern? Diesen Gedanken greifen wir bei C-Tube auf. Wir sagen: be creative! Schick uns Dein Musikvideo, Deine Bandpräsentation und wir sagen Dir aus der Sicht der erfahrenen Profis, ob da Potential besteht, ob mehr draus werden kann, was man verbessern sollte, oder eben ob es aussichtslos ist. Außerdem sorgen wir dafür, dass das ganze redaktionell aufbereitet wird, so dass auf Dauer ein echtes Programm entsteht. Gegenüber anderen Video-Plattformen setzt sich C-Tube ganz klar durch den Schwerpunkt auf inhaltliche Qualität und Programmgestaltung ab. So wird das ganze auch für das Publikum zunehmend attraktiv und unterhaltsam.

 

Das klingt sehr ambitioniert. Aber was ist mit dem Publi- kumsgeschmack? Es gibt doch genügend Beispiele, wo später erfolgreiche Bands im Vorfeld von den Profis abgelehnt wurden.

 

René: Das stimmt - nobody is perfect. Aber auch hier haben wir uns Gedanken gemacht. Um die Plattform auch für Nichtmusiker spannend zu gestalten, gibt es bei uns Woche für Woche Charts, in denen sich die Teilnehmer platzieren können. 50% der Wertung wird hier durch eine Mischung aus Mitglieder- und Nutzeranteil generiert, den anderen Teil liefert die Jury/Redaktion.

Und daas klingt fast wie DSDS für Bands!

 

René: Stimmt vom Grundgedanken her. Nur sehen wir die Sache eher fachlich und nicht auf emotional/trashiger Ebene und außerdem sind wir keine Talentshow, sondern wir verschaffen der vorhandenen Kreativität eine neue Plattform. Wir wollen keine Retorte sondern Authentizität. Dabei ist uns ist die Nachhaltigkeit wichtig! Wir wollen Kreativität fördern und bestenfalls gemeinsam mit der Band einen Erfolg kreieren - oder eben der Band eine wichtigen Schritt weitergeholfen haben. Aus diesem Grund findet bei uns ein laufender Wettbewerb statt, an dessen Ende nach 11 Wochen ein Sieger feststeht, der von uns eingeladen wird hier im Hansa produziert zu werden und dazu noch ein Video zu seinem Song bekommt. Losgelöst von diesem Erfolg, hat natürlich jedes Jury-/Teammitglied jederzeit die Möglichkeit eine Band anzusprechen und unter seine Fittiche zu nehmen. Wenn das passiert, dann ist das die größte Bestätigung für unser Konzept.

Welche Kriterien müssen erfüllt werden, um sich bei Euch bewerben zu können?

 

René: Eigentlich ist das ganz einfach. Man nehme einen guten Song/Demo/Aufnahme und mache irgendwie einen Videoclip dazu ...

Entschuldige, wenn wir dich unterbrechen, aber wie soll ein Musiker mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einen Videoclip erstellen?

 

René: Gute Frage. Aber lass uns das mal ganz realistisch betrachten. In fast jedem Computer sind mittlerweile brauchbare Schnittprogramme drin, oder schon ab 60-70 € zu haben. Eine Videokamera findet sich irgendwie auch fast in jeder Band oder in deren Umfeld. Und schon kann es losgehen. Be creative! Letzte Woche habe ich z. B. ein Video bekommen. Die Band hat zu einem megalustigen Song einfach vor der laufenden Kamera geposed und das unter das Demo gelegt. Es war super originell, unterhaltsam und einfach.

Was sind Eure internen Kriterien bei der Auswahl und Bewertung?

 

René: Freigeschaltet wird jeder, der keine "nichtsendbaren" Inhalte anbietet. Durch diese Offenheit wollen wir den Besuchern und Musikern unserer Seite auch zeigen, wie die Konkurrenz da Draußen so drauf ist. Bei meiner täglichen Arbeit mit Bands habe ich festgestellt, dass den Bands oft der realistische Vergleich zum Gesamtmarkt, also eine gesunde Selbsteinschätzung fehlt. Diese Möglichkeit wollen wir bieten.

Das heißt: ihr seht die Sache schon kommerziell?

 

René: Na klar. Ziel ist es, Bands/Acts zu finden, die eine realistische Chance haben im bestehenden Markt mit erfolgreichen Bands zu konkurrieren - und vielleicht sogar besser zu sein! Unsere Beurteilung basiert immer auf der Frage, ob Song, Künstler oder Performance das Potential haben, neben den erfolgreichen Acts bestehen zu können. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um Originalität und Eigenständigkeit.

Wie kann man sich bei C-Tube bewerben?

 

René: Bewerben klingt komisch. Mitmachen! Dabei sein! Das ist es! Die Site ist seit dem 17. März 2008 für jedes Musikvideo der Künstler offen, der Upload funktioniert und wir promoten die Plattform bereits an vielen Stellen. Im Rahmen der Frankfurter Musikmesse 2008 haben wir uns mit einem eigenen Stand vorgestellt, und schon am Montag danach begann der Run um die ersten Top Ten der C-Tube Wochencharts, denn wer hier den Spitzenplatz erklimmt, ist automatisch für die Endausscheidung qualifiziert (Anm. d. Red.: Die Endauscheidung findet vom 26. Mai bis 1. Juni 2008 statt). Wir wollen so schnell wie möglich viele, gute Bands präsentieren und hoffen, dass die sich gegenseitig pushen. Wie sagt man doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Was gibt es sonst noch wissenswertes über C-Tube?

 

René: C-Tube wird eine neune Form von Musik-Programm definieren. Neben den Musikvideos können die Bands beliebige weitere Beiträge vom Proberaum, über das Interview bis hin zum Konzertmitschnitt einstellen. Darüber hinaus werden wir eigene Beiträge erstellen und senden. Kurzum: wir möchten für den Musikinteressierten ein vollkommen neues Programm schaffen.

Besten Dank für das Interview.

(MLopez / 28.03.08 / 9:56)

 

 

 

 

 

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